Auch an diesem Tag gab es einen Toten zu beklagen. Der Hauptmann
wurde ausgeweidet in seinen blutgetränkten Bettlaken und mit Bisswunden
am Hals aufgefunden. Enzo und der Inquisitor suchten noch nach weiteren
Hinweisen, als Enzo auf den Schreibtisch des Hauptmanns aufmerksam
wurde. Der Hauptmann schien sehr belesen zu sein, auf seinem Tisch lagen
viele Dokumente, Bücher und Unterlagen. Enzo befasste sich genauer mit
ihnen und alle hatten sie damit zu tun, wie die Honoratioren sich nach
und nach das Dorf unter den Nagel gerissen hatten. Nachdem Enzo seine
Nachforschungen beendet hatte, ging er zum Inquisitor.
Enzo: „Ich habe nachgeforscht und bezüglich der Honoratioren…“
Inquisitor: „Fang mir bloß nicht damit an, ich halte das für einen
Irrweg. Sicher sind die Honoratioren korrupte Bastarde, aber sicher sind
sie keine Werwölfe. Forsche weiter nach und wenn du der Ansicht bist es
ist unabdingbar sie zu belasten dann tu es. Aber ich bin mir sicher,
sie haben nichts mit den Morden zu tun und die Dorfbewohner warten nur
auf eine Gelegenheit sie loszuwerden. Nachdem der Hauptmann tot ist
brauchen wir einen Ersatz, ich habe bereits einen würdigen Nachfolger
gefunden, dich. Finde den Verantwortlichen.“
Enzo: „Ja Meister, ich verstehe Meister, danke für das Vertrauen Meister.“
Auf dem Weg zum Dorfplatz belauschte Enzo ein Gespräch oder vielmehr eine Ansage. Es war Timur der Metzger.
Timur: „Ich habe schon einen Plan. Wir werden heute Abend Schalk den
Dorfdeppen belasten. Er wird sich nicht verteidigen können und der
Sabber der ihm immer aus dem Mund läuft wird den Leuten, zu Zeiten an
denen ein Werwolf sein Unwesen treibt, mehr denn je verdächtig
vorkomme.“
Einer der Honoratioren fragte dazwischen: „Aber was ist mit Sebolt
dem Greis, er kann einfach sein verdammtes Maul nicht halten. Sollten
wir nicht lieber ihn beseitigen?“
Timur: „Idiot, der kommt natürlich auch dran. Aber ich will auf
Nummer sicher gehen und die Stimmenmehrheit werden wir erst am kommenden
Tag haben. Hier werde ich kein Risiko eingehen…“.
Enzo hatte genug gehört. Er machte sich auf den Weg, alles für die anstehende Versammlung vorzubereiten.
Enzo eröffnete die Versammlung: „Ich habe den Posten des Hauptmanns
übernommen und werde nun alle seine Aufgaben übernehmen. Ich möchte nun
hören, wer eurer Meinung nach für die Werwolfangriffe verantwortlich
ist.“
Timur trat vor. Der Alte wollte etwas sagen, doch dann fiel sein
blick zu Endres, der direkt neben ihm stand und er überlegte es sich
anders.
Timur: „Ich bedaure es zutiefst, dass wir letzte Nacht nicht zusammen
das Ungetüm verbrannt haben. Aber dank sorgfältiger Nachforschungen
habe ich den wahren Werwolf gefunden. Es kann niemand anderes sein als
Schalk.“
Greis: „Das soll wohl ein Witz sein…“.
Endres nahm seine Keule und holte zum Schlag aus, doch Enzo war
schneller. Er zog sein Schwert und schlug Enzo seine Keule aus der
Hand.
Enzo: „Versucht es noch einmal und ihr könnt euch von eurer Hand
verabschieden. Ich möchte eine echte Abstimmung, jeder Dorfbewohner hat
eine Stimme und ich werde keine Einflussnahme dulden.“
Endres zog sich verärgert zurück.
Der Greis Ergriff das Wort: „Es ist schon viel zu lange, dass wir
hier unterdrückt werden, wir müssen sie beseitigen. Ich stimme für die
Honoratioren, sie sollen heute Nacht brennen, für alles was sie uns
angetan haben und zwar alle drei. Wenn sie nicht die Werwölfe sind, soll
es mir recht sein, um sie ist es nicht schade. Jeder der die
Honoratioren verdächtigt hebt jetzt die Hand.“
Der Greis hob alleine seine Hand, doch aus Angst stimmte keiner mit ihm.
Der Greis zeterte: „Bande von Feiglingen“.
Er verließ den Dorfplatz.
Der Inquisitor meldete sich zu Wort: „Es muss jemand gefunden werden, sonst wird es morgen wieder einen Toten geben.“
Timur: „Ihr seht doch, dass es heute keine Mehrheit geben wird.
Bewohner bedenkt, Enzo mag heute vielleicht eingegriffen haben und
meinen richtigen Vorschlag verhindert haben. Aber er wird weiterziehen
und ich werde hier bleiben und mich an jeden erinnern der gegen mich
war. Heute Abend werden wir zu keinem Ergebnis kommen. Verschließt
einfach alle Zugänge zu euren Häusern, dann wird schon nichts geschehen.
Oder gibt es noch andere Verdächtige?“.
Keiner wagte es sich zu äußern.
Inquisitor: „Es ist euer Leben, welches auf dem Spiel steht, ich werde eure Entscheidung akzeptieren.“
Die Versammlung wurde aufgelöst. Enzo kehrte wieder in sein Quartier
zurück. Er wartete wieder bis Mitternacht und verließ es um Igrid zu
besuchen.
Charakterübersicht:
Inquisition: Inquisitor, Enzo, Schüler des Inquisitors, Ordensritter Anno von Thule, Aglaja die Kräuterhexe.
Dorfbewohner: Bürgermeister Seitz, Hauptmann der
Wache, Schalk der Dorfdepp, Leibwächter des Bürgermeisters, Igrid die
Tochter des Bürgermeisters, die drei Honoratioren (Timur,
Ulf, Sengrad), Schläger Endres, Paternella von Grabfunde,
Paternellas Schwester, Dorfältester Sebolt, Richter Lienen, Wendel der
Dieb.
Früh am Morgen wurde Enzo von einem lauten Schrei geweckt. Schnell
ging er aus dem Haus, Paternella rannte ihm entgegen Sie war völlig
aufgelöst. Auf dem Dorfplatz schaffte es Enzo sie einzuholen, zu
beruhigen und zu fragen was geschehen sei.
Paternella: „Meine…, meine…, meine Schwester…“.
Mehr brachte sie nicht hervor. Der Inquisitor, der Hauptmann, Aglaja
und Anno von Thule waren herbeigeeilt. Alle begaben sich zu Paternellas
Haus. Es ergab sich das gleiche Bild wie im Haus des Bürgermeisters.
Ihre Schwester lag in ihrem Bett, es war durchdrängt von Blut und sie
war ausgeweidet. Nach näherer Untersuchung erkannte der Hauptmann
dieselben Bisswunden an ihrem Hals, wie er sie schon bei dem
Bürgermeister gesehen hatte.
Der Inquisitor und der Hauptmann führten die Untersuchung fort.
Inquisitor: „Ich habe schon einmal von dieser Art zu Töten gehört,
gestern habe ich sie nicht erwähnt, weil ich es für eine Legende hielt.
Aber es gibt ein uraltes und böses Wesen, welches auftaucht wenn die
Welt sich über die Maßen versündigt hat und in Gottes Namen Vergeltung
sucht, auf dieses Wesen weist alles Gesehene hin. Man nennt es
Werwolf.“
Hauptmann: „Meine Großmutter hat mir immer Märchen erzählt über dieses Wesen, glaubt ihr an die Legende?“
Inquisitor: „Ich halte nichts von Aberglaube, aber das ist nicht das
erste Mal, dass ich von solchen Umtrieben höre, ich bin sogar fest
überzeugt, dass es sich hierbei um einen Werwolf handelt. Lasst die
Dorfbewohner auf dem Marktplatz versammeln ich habe Ankündigungen zu
machen.“
Hauptmann: „Verstanden. Da ist aber noch etwas was ihr Wissen
solltet, die Schränke und Schubladen in Paternellas Haus waren alle
durchsucht und sämtliche Unterlagen fehlen. Früher war Paternellas Mann
sehr Reich und hatte großen Einfluss in diesem Dorf. Doch eines Tages
verschwand ihr Mann und wurde nie mehr wieder gesehen, ich habe immer
die Honoratioren unseres Dorfes, Timur, Ulf und Sengrad verdächtigt. Ich
konnte ihnen aber nie etwas Nachweisen. Nach dem Verschwinden von
Paternellas Mann hatte Timur der Metzger die Macht an sich gerissen, die
anderen unterstützten ihn dabei. Ihr Handlanger Endres hatte alle
Beweise vernichtet. Ich konnte ihn zweimal bei der Beseitigung von
Beweisen beobachten, doch jedes Mal war ich zu spät.“
Der Inquisitor entgegnete Barsch: „Eure Ränkespiele sind für mich
nicht von Belang, veranlasst die Versammlung und verschont mich in
Zukunft mit dem unnötigen Gewäsch.“
Als die Dorfbewohner versammelt waren begann der Inquisitor seine
Ansprache: „Unter uns ist ein uraltes und böses Wesen das der Herr
geschickt hat um euch für Eure Sünden zu bestrafen. Es ist ein Werwolf
und er ist einer aus der Dorfgemeinschaft. Niemand darf diesen Ort
verlassen, sonst wird ihn die Strafe treffen und er wird sterben.
Tagsüber ist der Wolf ein Mensch und von anderen nicht zu unterscheiden.
Aber es gibt für euch eine Möglichkeit euch reinzuwaschen. Der Werwolf
ist zwar grundsätzlich nicht zu töten, aber er hat einen Schwachpunkt.
Feuer. Er muss verbrannt werden. Nur so könnt ihr die Strafe abwenden,
Buse tun und Vergebung erlangen. Ihr müsst ihn aufspüren, dann werde ich
die Verbrennung überwachen. Der Hauptmann ist ein fähiger Mann und wird
die Ermittlungen übernehmen und den Werwolf unter euch aufspüren.“
Zuerst meldete sich der Metzger zu Wort, es war Timur der Vorsteher
der Honoratioren. Er war glatzköpfig, sehr bullig und gutem Essen nicht
abgeneigt.
Timur: „Ich werde Persönlich dafür sorgen, dass in unserem Dorf
wieder Sicherheit einkehrt. Mein Diener Endress wird persönlich dafür
sorgen.“
Ein alter Mann entgegnete: „Sicherheit mit euch? Das ich nicht lache,
seid ihr hier das Dorf übernommen habt leben wir doch alle im Elend
und…“.
Timur hatte Endres bereits Handzeichen gegeben, daraufhin hatte
Endres eine Holzkeule gezogen und den alten Mann niedergeschlagen, bevor
er seinen Satz beenden konnte.
Timur: „Will mich noch jemand unterbrechen? Nein? Gut dann fahren wir fort. Hauptmann, was habt ihr zu berichten?“
Hauptmann: „Nun, wir alle wissen ja bereits wer gestorben ist und wie
das geschehen ist. Aber da gibt es noch etwas. Das Haus war durchsucht
worden und sämtliche Unterlagen wurden entwendet. Unterlagen die
Hinweise auf euch, Timur, hätten gebe können…“.
*Zack*, Endres hatte den Hauptmann mit seiner Keule niedergeschlagen.
Timur ergriff wieder das Wort: „Gestohlen? Was? Das kann nur eines
bedeuten das war Wendel der Dieb. Er ist hier der einzige noch lebende,
bekannte Dieb, der in unsere Dorf lebt. Ich schlage vor ihn zu
verbrennen, ein anderer Täter kommt hier nicht infrage, so wahr mir Gott
helfe.“.
Die anderen Honoratioren stimmen ihm zu. Wendel wollte wegrennen,
doch Endres war schneller und Wendel bekam Endres Keule zu spüren.
Endres schleppte ihn zur Platzmitte und band ihn auf den vorbereiteten
Scheiterhaufen.
Inquisitor: „Ist das wirklich eure Entscheidung?“
Timur: „Das seht ihr doch, es gibt niemanden der gegen meinen
Vorschlag ist, oder?“, niemand widersprach, „Ihr habt das Volk gehört,
unser Beschluss steht und ich rate euch mir nicht zu widersprechen.“
Der Schüler des Inquisitors, Enzo befand sich in seinem Zimmer. Igrid
hatte ihm eine Nachricht zugesteckt, mit dem Inhalt: „Heute um
Mitternacht bei meinem Haus“. Er war sichtlich erfreut und ein wenig
aufgeregt, als ihn plötzlich gellendes Geschrei aufschrecken ließ. Enzo
verließ sein Quartier und rannte nach außen. Es war Wendel, der in
Flammen stand und im Beisein der Dorfgemeinschaft verbrannt wurde. Enzo
war entsetzt und fragte den Inquisitor was das zu bedeuten habe.
Der Inquisitor Antwortete: „Das mein Schüler, ist leider erst der Anfang“.
Am anderen Ende der Versammlung war der Hauptmann wieder zu sich gekommen, sichtlich rang er um um Fassung.
Ohne dass es Jemand anderes hören konnte sagte der Hauptmann zu Timur: „Diesmal werdet ihr damit nicht durchkommen“.
Timur: „Ich warne euch zum letzten Mal, mischt euch nicht noch einmal in meine Angelegenheiten ein.“
Am Ende dieses schrecklichen Tages kehrte Enzo in sein Quartier
zurück, doch wollte er noch nicht zu Bett gehen. Er holte wieder die
Nachricht von Igrid aus seiner Tasche und betrachtete sie, wartete bis
kurz vor Mitternacht und verließ sein Quartier.
Charakterübersicht:
Inquisition: Inquisitor, Enzo, Schüler des Inquisitors, Ordensritter Anno von Thule, Aglaja die Kräuterhexe.
Dorfbewohner: Bürgermeister Seitz, Hauptmann der
Wache, Schalk der Dorfdepp, Leibwächter des Bürgermeisters, Igrid die
Tochter des Bürgermeisters, die drei Honoratioren (Timur, Ulf,
Sengrad), Schläger Endres, Paternella von Grabfunde, Paternellas
Schwester, Dorfältester Sebolt, Richter Lienen, Wendel der Dieb.
Das ist der Anfang einer siebenteiligen Kurzgeschichte die ich vor
längerer Zeit verfasst habe. Es fängt an mit Teil 1, dem Prolog.
Prolog:
Es war einmal, im mittelalterlichen Europa zu Zeiten der großen Pest.
Der schwarze Tot hatte schon einen großen Teil der Bevölkerung
dahingerafft. Man glaubte an eine Strafe. In diesen dunklen Zeiten waren
Inquisitoren, ausgesandt von ihrem hohen Orden, unterwegs um die Welt
von allem Übel zu reinigen um Gott wieder milde zu stimmen. Ein alter
Inquisitor und sein Gefolge waren nun schon länger unterwegs und hofften
wenigstens diese Nacht eine Bleibe mit Dach über dem Kopf zu finden.
Der Schüler des Inquisitors, Enzo, war es, der eine Ausschilderung
ausmachte, welche auf ein nahegelegenes Dorf hinwies. Dieses lag nicht
direkt auf dem vorgesehenen Weg, doch auch der Inquisitor war es leid,
im Freien zu nächtigen und entschied, dass diesmal vom rechten Weg
abgewichen werden dürfe. So machten sich der Inquisitor und sein
Gefolge, welches aus insgesamt vier Ordensangehörigen bestand, auf den
Weg in Richtung des Dorfes.
Enzo war ein junger, gebildeter, aber auch noch unerfahrener Mann.
Seit zwei Jahren versuchte er als Schüler alles vom Inquisitor zu lernen
was er wissen musste, um später eines Tages selbst Inquisitor zu
werden. Obwohl er viel Eifer an den Tag legte und alle ihm aufgetragenen
Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit des Inquisitors erledigte, war Enzo
sehr unglücklich. Er wollte kein Mensch sein der über Leben und Tod zu
entscheiden hat und auch die sadistische Art des Inquisitors missfiel
ihm. Er hatte sich aber für das Ordensleben entschieden und diese,
einmal getroffene Entscheidung konnte nicht rückgängig gemacht werden.
Enzo hatte sich mehr oder weniger mit seinem Schicksal abgefunden.
Das Gefolge des Inquisitors bestand weiterhin aus dem Ritter Anno von
Thule. Dieser war der Leibwächter des Inquisitors, welcher vom Orden zu
dessen Schutz abgestellt worden war. Anno war ein verschwiegener,
großer und muskulöser Mann. Enzo wusste so gut wie nichts über ihn.
Lediglich seine vielen Narben wiesen auf unzählige geschlagene
Schlachten hin.
Zuletzt war da noch Aglaja, sie verbarg ihr Gesicht immer hinter
einer tiefen Kapuze und Enzo konnte sich nicht erinnern es jemals ganz
gesehen zu haben. Ihr wurde nachgesagt eine Hexe mit besonderer
Kräuterkenntnis zu sein. Ob der Inquisitor sie zu seinem Vergnügen
mitgenommen hatte, oder ob er wirklich an ihre Fähigkeiten glaubte
konnte Enzo nicht mit Sicherheit bestimmen. Sicher war er sich nur, dass
der Inquisitor keinen loyaleren Diener haben konnte, denn nur wegen dem
Eingreifen des Inquisitors war Aglaja noch am Leben.
Nach einer weiteren Stunde Marsch entdeckte Enzo am Horizont aufsteigenden Rauch, sie waren am Dorf angekommen.
Am Eingang des Dorfes angekommen, kam den Reisenden eine Frau
mittleren Alters entgegen. Sie trug die Kleidung der Edelleute und
musste daher wohl von Adel sein. Sie schien ein freundlicher,
zuvorkommender und gütiger Mensch zu sein. Genau die Art von Mensch die
der Inquisitor nicht leiden konnte.
Paternella setzte an zu sagen: „Willkommen in unserem kleinen Dorf, ich bin Gräfin Paternella von Grabfunde…“,
der Inquisitor unterbrach sie barsch und sagte: „Schweig Weib, ich
bin nicht durch die halbe Welt gereist um mir das Gewäsch eines Weibes
anzuhören, ich verlange für mich und mein Gefolge ein angemessenes
Nachtlager. Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs! Zeig mir den Weg
oder verschwinde!“.
Paternella fehlten die Worte, sie wusste sich nicht anders zu helfen,
als auf die Mitte des Dorfes zu verweisen, wo sich das Rathaus befand.
Daraufhin rannte sie unter Tränen ins Dorf, eine solche Behandlung war
sie nicht gewohnt.
Der Anblick den das Dorf bot war jedoch alles andere als einladend.
Es schien wie ausgestorben und, lediglich noch rauchende Feuerstellen
waren auszumachen und ein beißender, fauliger Gestank bestimmte die
Luft. Nur aus dem Rathaus schienen Stimmen zu kommen.
Ohne um Einlass zu bitten betrat der Inquisitor das Rathaus. Darin
waren zwei Personen, die sich zu unterhalten schienen, oder vielmehr sah
es nach einer Befragung aus. Der Fragensteller war ein großer,
rothaariger, hagerer Mann mit Brille. Der Andere war ein glatzköpfiger
Mann, der nach Kneipenschläger aussah.
Der Rothaarige sprach den Inquisitor sofort an und sagte: „Ich bin
der Hauptmann der Wache und ein Mann des Herrn ist genau was wir hier
brauchen“.
Er hatte den Inquisitor an seinem Ordensring erkennt.
Hauptmann: „Ich hoffe ihr könnt uns ein wenig eurer Zeit schenken und mich anhören“
Der Inquisitor knurrte: „Meinetwegen, aber fasst euch kurz“.
„Wie ihr seht ist unser Dorf sehr abgeschnitten von der Außenwelt,
daher war unser Dorf von der Pest lange verschont geblieben. Zumindest
hatten wir das als Grund angenommen. Bis vor einiger Zeit, da begann es,
immer mehr Dorfbewohner einem vorzeitigen Tod anheim zu fallen, bis nur
noch wenige übrig waren. Wir glaubten an eine Strafe des Herrn und
hielten uns an die Vorschriften der Kirche die Leichen unverzüglich zu
verbrennen und Große Opfer zu bringen. Es schien wie ein Wunder des
Himmels, die Erkrankungen gingen zurück und die letzten Überlebenden
wurden von der Krankheit verschont. Jedoch wurde heute Morgen der
Bürgermeister tot in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Zunächst ging ich
von einer neuen Pesterkrankung aus, doch die Symptome entsprachen in
keinster Weise dem üblichen Krankheitsbild. Daher hoffe ich auf eine
Sachverständigen wie euch, der mir helfen kann das Mysterium
aufzuklären.“
Verwundert über die Gelassenheit des Hauptmanns sagte der Inquisitor
zu und sie betraten das Arbeitszimmer. Was der Inquisitor da sah, hatte
er zuvor nie gesehen, das Blut gefror in seinen Adern. Der Inquisitor
hatte schon viel Elend und Gewalt gesehen, doch diesmal wurde alles
Gesehene übertroffen. Auf seinem Schreibtisch lag die Leiche des
Bürgermeisters. Diese war jedoch ausgeweidet wie ein von einem Wolf
gerissenes Schaf. Der Inquisitor riskierte einen genaueren Blick, ihm
fielen Bissspuren am Hals auf. Der Form nach zu urteilen sahen sie nach
einem Wolf aus. Aber sie waren zu Groß um tatsächlich wöflichen
Ursprungs zu sein. Auch waren in der Gegend keine Wölfe heimisch. Der
Sachverhalt hatte das Interesse des Inquisitors erweckt und er erklärte
sich bereit den Hauptmann bei seinen Ermittlungen zu unterstützen.
Nun Wandte sich der Inquisitor dem „Kneipenschläger“ zu, dieser gab
sich als Leibwächter des Bürgermeisters zu erkennen gab. Er konnte aber
nicht weiter helfen, da er nach eigenen Aussagen am Abend zu tief ins
Glas gesehen hatte. Der Hauptmann bestätigte, dass der „Schläger“ ein
schweres Alkoholproblem habe und kein Zweifel an dieser Aussage bestehe.
Als er nachmittags, in Erwartung einer Standpauke, im Haus des
Bürgermeisters auftauchte, fand er den Bürgermeister tot vor. Der
Inquisitor wusste, dass er nicht mehr aus ihm herausbekommen würde,
zumal der Leibwächter aufgrund seines Versagens am Boden zerstört
schien. Der Leibwächter durfte gehen.
Der Inquisitor wollte das Rathaus verlassen um zusammen mit dem
Hauptmann weitere Nachforschungen anzustellen, als eine junge, Frau,
blond und mit schönem Gesicht das Rathaus betrat. Der Hauptmann stellte
sie als Igrid, die Tochter des Bürgermeisters vor. Dafür, dass ihr Vater
am selben Tag gestorben war, schien sie sehr gefasst. Der Inquisitor
entschied, dass sie befragt werden sollte. Enzo könnte den Inquisitor
überzeugen das Verhör zu übernehmen, da im Vergleich zum ihm über das
nötige Einfühlungsvermögen für die bevorstehende Befragung verfügte. Der
Inquisitor und der Hauptmann verließen daraufhin das Rathaus.
Enzo: „Nun…“
Igrid unterbrach ihn sofort: „Ich habe schon die Pestkrankheit meiner
Mutter durchstanden und möchte zuerst meinen Vater sehen, dann werde
ich alle Fragen beantworten.“
Enzo: „Aber…“
Igrid: „Keine Widerrede, ich halte das aus!“
Enzo: „Nun gut, folgt mir.“
Igrid betrat das Arbeitszimmer des Bürgermeisters, kurz darauf kam sie zurück.
Igrid: „Nun gut, wir können beginne.“.
Enzo begann die Befragung. Sie erzählte ihm, dass der Bürgermeister
sich nach dem Tod ihrer Mutter um sie gekümmert hätte und dass sie sich
nicht vorstellen könnte, dass der Bürgermeister irgendwelche Feinde im
Dorf hatte, die ihm so etwas antun könnten. Der Bürgermeister wäre
allseits beliebt gewesen und alle wären ihm für seine selbstlose Arbeit
dankbar gewesen. Während der Befragung überkam beide ein besonderes
Gefühl der Zusammengehörigkeit. So erzählte auch Enzo von seiner
Ausbildung und wie gerne er ein einfaches, ruhiges Leben führen wollte.
Beide empfanden auf Anhieb Zuneigung ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Enzo sah Igrid tief in die Augen, sie erwiderte den intensiven blick
und näherte sich ihm langsam zu einem Kuss an. Ihre Lippen berührten
sich, doch Igrid schreckte sofort zurück. Ihr Gesicht war plötzlich
bleich.
Enzo: „Was ist?“
Igrid: „Ich habe die Zukunft gesehen, das mit uns wird kein gutes
Ende nehmen. Ich sah ein Bild von unserem Ende, alles Brannte und die
Welt schien unterzugehen. Halte mich nicht für verrückt, aber ich hatte
genauso eine Vision schon einmal, als meine Mutter starb.“
Verdutzt schaute Enzo sie an, er konnte kein Wort über seine Lippen bringen, ihm hatte es die Sprache verschlagen.
Igrid: „Warum sagst du nichts…?“
Enzo: „Ich…, ich…, du bist nicht die Erste Seherin die ich getroffen
habe, mir wurde schon einmal vorhergesagt, damals hatte sich alles
Bewahrheitet.“
Igrid: „Es, es ist wohl besser wenn ich jetzt gehe.“ Daraufhin rannte sie aus dem Rathaus.
Draußen überreichte der Inquisitor Enzo einen Schlüssel, er sagte er
wolle sich noch mit dem Tod des Bürgermeisters beschäftigen, Enzo solle
sich aber zu Bett begeben, denn er brauche ihn früh am Nächsten Morgen
im ausgeruhten Zustand. In dem Bett seines Nachtquartiers musste Enzo
noch lange an seine Unterhaltung mit Ingrid und ihre Vision denken, bis
er schließlich einschlief.
Charakterübersicht:
Inquisition: Inquisitor, Enzo, Schüler des Inquisitors, Ordensritter Anno von Thule, Aglaja die Kräuterhexe.
Dorfbewohner: Bürgermeister Seitz, Hauptmann der
Wache, Schalk der Dorfdepp, Leibwächter des Bürgermeisters, Igrid die
Tochter des Bürgermeisters, die drei Honoratioren (Timur, Ulf, Sengrad),
Schläger Endres, Paternella von Grabfunde, Paternellas Schwester,
Dorfältester Sebolt, Richter Lienen, Wendel der Dieb.
In dieser Reihe schreibe ich über Rechtsgrundsätze und aktuelle Themen die mit Recht zusammenhängen.
Gründungs- und Sitztheorie
Wir befinden uns im Jahr 2002. Der Europäische Gerichtshof (EuGH)
hatte über eine Vorlage des deutschen Bundesgerichtshofes (BGH) zu
entscheiden. Diese Entscheidung sollte das Gefüge der deutschen
Unternehmenslandschaft erheblich durcheinanderwirbeln.
Doch was war passiert?
Ausgangslage: Eine in London gegründete und dort ansässige
Gesellschaft des Typs „private limited company“ (kurz: Ltd.) hatte ihren
Geschäftssitz nach Deutschland verlegt. Ihre geschäftlichen Aktivitäten
in Großbritannien gab sie ganz auf.
Das Besondere an diesem Fall ist, dass die Limited mit einem Festkapital von einem Pfund gegrüdet werden kann. Sie hat nach englischem Recht eine eigene Rechtspersönlichkeit und ist keine Personengesellschaft. Das heißt: die Ltd. haftet nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen.
Die Gesellschafter selbst haften daher nicht mit ihrem Privatvermögen.
In Deutschland gab es dieses Modell auch, in Form der GmbH. Jedoch
beträgt bei ihr das Stammkapital 25.000 €.
Hier wird klar, von Seiten der deutschen Gerichte bestand kein
Interesse daran, die Rechtsfähigkeit der Ltd. anzuerkennen. So könnte
nämlich das Modell der GmbH ausgehöhlt werden.
1. Der BGH vertrat bei diesem Meinungsstreit die Sitztheorie:
Nach ihr sollte maßgeblich sein, wo eine Gesellschaft tatsächlich ihren Hauptverwaltungssitz hat.
Wo hingegen die Gesellschaft gegründet wurde, sollte unerheblich sein.
Nach dieser Ansicht wäre deutsches Recht anzuwenden gewesen und die Ltd.
hätte nicht anerkannt werden müssen.
Letztendlich legte der BGH dem EuGH (welcher dem BGH übergeordnet ist) die Sache zur Entscheidung vor.
2. Die Position des EuGH war die Gründungstheorie:
Danach unterliegt eine Gesellschaft dem Recht desjenigen Staates, in welchem sie gegründet wurde.
Sollte sie ihren Sitz verlegen, wird sich daran nichts ändern. Der EuGH
entschied, dass die Sitztheorie des BGH mit der
EU-Niederlassungsfreiheit unvereinbar sei (Art. 49, 50 AEUV) und somit
als europarechtswidrig zu qualifizieren ist.
(Bild: Großer Saal des EuGH)
Folgen der EuGH Entscheidung
Die Ltd. (und alle anderen Gesellschaftsformen der EU Staaten)
wurde(n) als rechtsfähig anerkannt. In Deutschland kam es zu einem
regelrechten Ltd-Boom. In Großbritaninen wurden massenhaft Ltds.
gegründet, welche dann ihren Sitz nach Deutschland verlegten.
Dieser Boom ging erst wieder mit dem Inkrafttreten des § 5a GmbHG im Jahr 2008 zurück.
Beschreibung: In der Reihe „Was ist…?“ vermittle ich Wissen und Allgemeinbildung in kleinen Portionen für zwischendurch. Hier erkläre ich geschichtliche Dinge wie z.B. den Faschismus, ich erkläre was ein Staat ist, den Begriff Bildungssprache oder ganz alltägliches wie den Türrahmeneffekt.
Beschreibung: In den Reihen „Rhetorik (Teil 1)“ und „Rhetorik (Teil 2)“ vermittle ich in kurzen Einheiten Grundsätze und Tricks der Rhetorik. Zur Zeit bespreche ich Robert Greenes „Die 48 Gesetze der Macht„.
Ich schreibe in Theobald Joachim I im Recht über Rechtsthemen. Dabei erkläre ich Rechtsgrundsätze und Themen die mit Recht zusammenhängen. Steemit dient mir dabei auch als Möglichkeit Themengebiete für die Uni zu widerholen und ich denke ich kann so hochwertigen Inhalt für die deutschsprachige Communitiy produzieren.
Theobald Joachim I
Übersicht über alle meine Beiträge und der Uploadplan (mit allen wichtigen Informationen zu meinem Blog).
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