Der Mensch ist des Menschen Werwolf (Teil 3/7)

Tag 2

Auch an diesem Tag gab es einen Toten zu beklagen. Der Hauptmann wurde ausgeweidet in seinen blutgetränkten Bettlaken und mit Bisswunden am Hals aufgefunden. Enzo und der Inquisitor suchten noch nach weiteren Hinweisen, als Enzo auf den Schreibtisch des Hauptmanns aufmerksam wurde. Der Hauptmann schien sehr belesen zu sein, auf seinem Tisch lagen viele Dokumente, Bücher und Unterlagen. Enzo befasste sich genauer mit ihnen und alle hatten sie damit zu tun, wie die Honoratioren sich nach und nach das Dorf unter den Nagel gerissen hatten. Nachdem Enzo seine Nachforschungen beendet hatte, ging er zum Inquisitor.  

 Enzo: „Ich habe nachgeforscht und bezüglich der Honoratioren…“ 

Inquisitor: „Fang mir bloß nicht damit an, ich halte das für einen Irrweg. Sicher sind die Honoratioren korrupte Bastarde, aber sicher sind sie keine Werwölfe. Forsche weiter nach und wenn du der Ansicht bist es ist unabdingbar sie zu belasten dann tu es. Aber ich bin mir sicher, sie haben nichts mit den Morden zu tun und die Dorfbewohner warten nur auf eine Gelegenheit sie loszuwerden. Nachdem der Hauptmann tot ist brauchen wir einen Ersatz, ich habe bereits einen würdigen Nachfolger gefunden, dich. Finde den Verantwortlichen.“  

Enzo: „Ja Meister, ich verstehe Meister, danke für das Vertrauen Meister.“ 

Auf dem Weg zum Dorfplatz belauschte Enzo ein Gespräch oder vielmehr eine Ansage. Es war Timur der Metzger. 

Timur: „Ich habe schon einen Plan. Wir werden heute Abend Schalk den Dorfdeppen belasten. Er wird sich nicht verteidigen können und der Sabber der ihm immer aus dem Mund läuft wird den Leuten, zu Zeiten an denen ein Werwolf sein Unwesen treibt, mehr denn je verdächtig vorkomme.“ 

Einer der Honoratioren fragte dazwischen: „Aber was ist mit Sebolt dem Greis, er kann einfach sein verdammtes Maul nicht halten. Sollten wir nicht lieber ihn beseitigen?“ 

Timur: „Idiot, der kommt natürlich auch dran. Aber ich will auf Nummer sicher gehen und die Stimmenmehrheit werden wir erst am kommenden Tag haben. Hier werde ich kein Risiko eingehen…“.  

Enzo hatte genug gehört. Er machte sich auf den Weg, alles für die anstehende Versammlung vorzubereiten.  

Enzo eröffnete die Versammlung: „Ich habe den Posten des Hauptmanns übernommen und werde nun alle seine Aufgaben übernehmen. Ich möchte nun hören, wer eurer Meinung nach für die Werwolfangriffe verantwortlich ist.“ 

Timur trat vor. Der Alte wollte etwas sagen, doch dann fiel sein blick zu Endres, der direkt neben ihm stand und er überlegte es sich anders.  

Timur: „Ich bedaure es zutiefst, dass wir letzte Nacht nicht zusammen das Ungetüm verbrannt haben. Aber dank sorgfältiger Nachforschungen habe ich den wahren Werwolf gefunden. Es kann niemand anderes sein als Schalk.“  

Greis: „Das soll wohl ein Witz sein…“.  

Endres nahm seine Keule und holte zum Schlag aus, doch Enzo war schneller. Er zog sein Schwert und schlug Enzo seine Keule aus der Hand. 

Enzo: „Versucht es noch einmal und ihr könnt euch von eurer Hand verabschieden. Ich möchte eine echte Abstimmung, jeder Dorfbewohner hat eine Stimme und ich werde keine Einflussnahme dulden.“  

Endres zog sich verärgert zurück.  

Der Greis Ergriff das Wort: „Es ist schon viel zu lange, dass wir hier unterdrückt werden, wir müssen sie beseitigen. Ich stimme für die Honoratioren, sie sollen heute Nacht brennen, für alles was sie uns angetan haben und zwar alle drei. Wenn sie nicht die Werwölfe sind, soll es mir recht sein, um sie ist es nicht schade. Jeder der die Honoratioren verdächtigt hebt jetzt die Hand.“   

Der Greis hob alleine seine Hand, doch aus Angst stimmte keiner mit ihm.  

Der Greis zeterte: „Bande von Feiglingen“.   

Er verließ den Dorfplatz.  

Der Inquisitor meldete sich zu Wort: „Es muss jemand gefunden werden, sonst wird es morgen wieder einen Toten geben.“ 

Timur: „Ihr seht doch, dass es heute keine Mehrheit geben wird. Bewohner bedenkt, Enzo mag heute vielleicht eingegriffen haben und meinen richtigen Vorschlag verhindert haben. Aber er wird weiterziehen und ich werde hier bleiben und mich an jeden erinnern der gegen mich war. Heute Abend werden wir zu keinem Ergebnis kommen. Verschließt einfach alle Zugänge zu euren Häusern, dann wird schon nichts geschehen. Oder gibt es noch andere Verdächtige?“.  

Keiner wagte es sich zu äußern.  

Inquisitor: „Es ist euer Leben, welches auf dem Spiel steht, ich werde eure Entscheidung akzeptieren.“  

Die Versammlung wurde aufgelöst. Enzo kehrte wieder in sein Quartier zurück. Er wartete wieder bis Mitternacht und verließ es um Igrid zu besuchen.  

Charakterübersicht:   

Inquisition: Inquisitor, Enzo, Schüler des Inquisitors, Ordensritter Anno von Thule, Aglaja die Kräuterhexe. 

Dorfbewohner: Bürgermeister Seitz,  Hauptmann der Wache, Schalk der Dorfdepp, Leibwächter des Bürgermeisters, Igrid die   Tochter des Bürgermeisters, die drei Honoratioren (Timur, Ulf, Sengrad), Schläger Endres, Paternella von Grabfunde, Paternellas Schwester, Dorfältester Sebolt, Richter Lienen, Wendel der Dieb.  

Der Mensch ist des Menschen Werwolf (Teil 2/7)

Tag 1

Früh am Morgen wurde Enzo von einem lauten Schrei geweckt. Schnell ging er aus dem Haus, Paternella rannte ihm entgegen Sie war völlig aufgelöst. Auf dem Dorfplatz schaffte es Enzo sie einzuholen, zu beruhigen und zu fragen was geschehen sei.   

Paternella: „Meine…, meine…, meine Schwester…“.  

Mehr brachte sie nicht hervor. Der Inquisitor, der Hauptmann, Aglaja und Anno von Thule waren herbeigeeilt. Alle begaben sich zu Paternellas Haus. Es ergab sich das gleiche Bild wie im Haus des Bürgermeisters. Ihre Schwester lag in ihrem Bett, es war durchdrängt von Blut und sie war ausgeweidet. Nach näherer Untersuchung erkannte der Hauptmann dieselben Bisswunden an ihrem Hals, wie er sie schon bei dem Bürgermeister gesehen hatte.   

Der Inquisitor und der Hauptmann  führten die Untersuchung fort.   

Inquisitor: „Ich habe schon einmal von dieser Art zu Töten gehört, gestern habe ich sie nicht erwähnt, weil ich es für eine Legende hielt. Aber es gibt ein uraltes und böses Wesen, welches auftaucht wenn die Welt sich über die Maßen versündigt hat und in Gottes Namen Vergeltung sucht, auf dieses Wesen weist alles Gesehene hin. Man nennt es Werwolf.“ 

Hauptmann: „Meine Großmutter hat mir immer Märchen erzählt über dieses Wesen, glaubt ihr an die Legende?“  

Inquisitor: „Ich halte nichts von Aberglaube, aber das ist nicht das erste Mal, dass ich von solchen Umtrieben höre, ich bin sogar fest überzeugt, dass es sich hierbei um einen Werwolf handelt. Lasst die Dorfbewohner auf dem Marktplatz versammeln ich habe Ankündigungen zu machen.“ 

Hauptmann: „Verstanden. Da ist aber noch etwas was ihr Wissen solltet, die Schränke und Schubladen in Paternellas Haus waren alle durchsucht und sämtliche Unterlagen fehlen. Früher war Paternellas Mann sehr Reich und hatte großen Einfluss in diesem Dorf. Doch eines Tages verschwand ihr Mann und wurde nie mehr wieder gesehen, ich habe immer die Honoratioren unseres Dorfes, Timur, Ulf und Sengrad verdächtigt. Ich konnte ihnen aber nie etwas Nachweisen. Nach dem Verschwinden von Paternellas Mann hatte Timur der Metzger die Macht an sich gerissen, die anderen unterstützten ihn dabei. Ihr Handlanger Endres hatte alle Beweise vernichtet. Ich konnte ihn zweimal bei der Beseitigung von Beweisen beobachten, doch jedes Mal war ich zu spät.“ 

Der Inquisitor entgegnete Barsch: „Eure Ränkespiele sind für mich nicht von Belang, veranlasst die Versammlung und verschont mich in Zukunft mit dem unnötigen Gewäsch.“ 

Als die Dorfbewohner versammelt waren begann der Inquisitor seine Ansprache: „Unter uns ist ein uraltes und böses Wesen das der Herr geschickt hat um euch für Eure Sünden zu bestrafen. Es ist ein Werwolf und er ist einer aus der Dorfgemeinschaft. Niemand darf diesen Ort verlassen, sonst wird ihn die Strafe treffen und er wird sterben. Tagsüber ist der Wolf ein Mensch und von anderen nicht zu unterscheiden. Aber es gibt für euch eine Möglichkeit euch reinzuwaschen. Der Werwolf ist zwar grundsätzlich nicht zu töten, aber er hat einen Schwachpunkt. Feuer. Er muss verbrannt werden. Nur so könnt ihr die Strafe abwenden, Buse tun und Vergebung erlangen. Ihr müsst ihn aufspüren, dann werde ich die Verbrennung überwachen. Der Hauptmann ist ein fähiger Mann und wird die Ermittlungen übernehmen und den Werwolf unter euch aufspüren.“  

Zuerst meldete sich der Metzger zu Wort, es war Timur der Vorsteher der Honoratioren. Er war glatzköpfig, sehr bullig und gutem Essen nicht abgeneigt. 

Timur: „Ich werde Persönlich dafür sorgen, dass in unserem Dorf wieder Sicherheit einkehrt. Mein Diener Endress wird persönlich dafür sorgen.“ 

Ein alter Mann entgegnete: „Sicherheit mit euch? Das ich nicht lache, seid ihr hier das Dorf übernommen habt leben wir doch alle im Elend und…“. 

Timur hatte Endres bereits Handzeichen gegeben, daraufhin hatte Endres eine Holzkeule gezogen und den alten Mann niedergeschlagen, bevor er seinen Satz beenden konnte.  

Timur: „Will mich noch jemand unterbrechen? Nein? Gut dann fahren wir fort. Hauptmann, was habt ihr zu berichten?“ 

Hauptmann: „Nun, wir alle wissen ja bereits wer gestorben ist und wie das geschehen ist. Aber da gibt es noch etwas. Das Haus war durchsucht worden und sämtliche Unterlagen wurden entwendet. Unterlagen die Hinweise auf euch, Timur, hätten gebe können…“.  

*Zack*, Endres hatte den Hauptmann mit seiner Keule niedergeschlagen. 

Timur ergriff wieder das Wort: „Gestohlen? Was? Das kann nur eines bedeuten das war Wendel der Dieb. Er ist hier der einzige noch lebende, bekannte Dieb, der in unsere Dorf lebt. Ich schlage vor ihn zu verbrennen, ein anderer Täter kommt hier nicht infrage, so wahr mir Gott helfe.“.   

Die anderen Honoratioren stimmen ihm zu. Wendel wollte wegrennen, doch Endres war schneller und Wendel bekam Endres Keule zu spüren. Endres schleppte ihn zur Platzmitte und band ihn auf den vorbereiteten Scheiterhaufen. 

Inquisitor: „Ist das wirklich eure Entscheidung?“  

Timur: „Das seht ihr doch, es gibt niemanden der gegen meinen Vorschlag ist, oder?“, niemand widersprach, „Ihr habt das Volk gehört, unser Beschluss steht und ich rate euch mir nicht zu widersprechen.“ 

Der Schüler des Inquisitors, Enzo befand sich in seinem Zimmer. Igrid hatte ihm eine Nachricht zugesteckt, mit dem Inhalt: „Heute um Mitternacht bei meinem Haus“. Er war sichtlich erfreut und ein wenig aufgeregt, als ihn plötzlich gellendes Geschrei aufschrecken ließ. Enzo verließ sein Quartier und rannte nach außen. Es war Wendel, der in Flammen stand und im Beisein der Dorfgemeinschaft verbrannt wurde. Enzo war entsetzt und fragte den Inquisitor was das zu bedeuten habe. 

Der Inquisitor Antwortete: „Das mein Schüler, ist leider erst der Anfang“. 

Am anderen Ende der Versammlung war der Hauptmann wieder zu sich gekommen, sichtlich rang er um um Fassung. 

Ohne dass es Jemand anderes hören konnte sagte der Hauptmann zu Timur: „Diesmal werdet ihr damit nicht durchkommen“. 

Timur: „Ich warne euch zum letzten Mal, mischt euch nicht noch einmal in meine Angelegenheiten ein.“ 

Am Ende dieses schrecklichen Tages kehrte Enzo in sein Quartier zurück, doch wollte er noch nicht zu Bett gehen. Er holte wieder die Nachricht von Igrid aus seiner Tasche und betrachtete sie, wartete bis kurz vor Mitternacht und verließ sein Quartier. 

 Charakterübersicht:  

Inquisition: Inquisitor, Enzo, Schüler des Inquisitors, Ordensritter Anno von Thule, Aglaja die Kräuterhexe. 

Dorfbewohner: Bürgermeister Seitz,  Hauptmann der Wache, Schalk der Dorfdepp, Leibwächter des Bürgermeisters, Igrid die  Tochter des Bürgermeisters, die drei Honoratioren (Timur, Ulf, Sengrad),  Schläger Endres, Paternella von Grabfunde, Paternellas Schwester, Dorfältester Sebolt, Richter Lienen, Wendel der Dieb. 

Der Mensch ist des Menschen Werwolf (Teil 1/7)

Das ist der Anfang einer siebenteiligen Kurzgeschichte die ich vor längerer Zeit verfasst habe. Es fängt an mit Teil 1, dem Prolog.

Prolog:

Es war einmal, im mittelalterlichen Europa zu Zeiten der großen Pest. Der schwarze Tot hatte schon einen großen Teil der Bevölkerung dahingerafft. Man glaubte an eine Strafe. In diesen dunklen Zeiten waren Inquisitoren, ausgesandt von ihrem hohen Orden, unterwegs um die Welt von allem Übel zu reinigen um Gott wieder milde zu stimmen. Ein alter Inquisitor und sein Gefolge waren nun schon länger unterwegs und hofften wenigstens diese Nacht eine Bleibe mit Dach über dem Kopf zu finden. Der Schüler des Inquisitors, Enzo, war es, der eine Ausschilderung ausmachte, welche auf ein nahegelegenes Dorf hinwies. Dieses lag nicht direkt auf dem vorgesehenen Weg, doch auch der Inquisitor war es leid, im Freien zu nächtigen und  entschied, dass diesmal vom rechten Weg abgewichen werden dürfe. So machten sich der Inquisitor und sein Gefolge, welches aus insgesamt vier Ordensangehörigen bestand, auf den Weg in Richtung des Dorfes.

Enzo war ein junger, gebildeter, aber auch noch unerfahrener Mann. Seit zwei Jahren versuchte er als Schüler alles vom Inquisitor zu lernen was er wissen musste, um später eines Tages selbst Inquisitor zu werden. Obwohl er viel Eifer an den Tag legte und alle ihm aufgetragenen Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit des Inquisitors erledigte, war Enzo sehr unglücklich. Er wollte kein Mensch sein der über Leben und Tod zu entscheiden hat und auch die sadistische Art des Inquisitors missfiel ihm. Er hatte sich aber für das Ordensleben entschieden und diese, einmal getroffene Entscheidung konnte nicht rückgängig gemacht werden. Enzo hatte sich mehr oder weniger mit seinem Schicksal abgefunden. 

Das Gefolge des Inquisitors bestand weiterhin aus dem Ritter Anno von Thule. Dieser war der Leibwächter des Inquisitors, welcher vom Orden zu dessen Schutz abgestellt worden war. Anno war ein verschwiegener, großer und muskulöser Mann. Enzo wusste so gut wie nichts über ihn. Lediglich seine vielen Narben wiesen auf unzählige geschlagene Schlachten hin.  

Zuletzt war da noch Aglaja, sie verbarg ihr Gesicht immer hinter einer tiefen Kapuze und Enzo konnte sich nicht erinnern es jemals ganz gesehen zu haben. Ihr wurde nachgesagt eine Hexe mit besonderer Kräuterkenntnis zu sein. Ob der Inquisitor sie zu seinem Vergnügen mitgenommen hatte, oder ob er wirklich an ihre Fähigkeiten glaubte konnte Enzo nicht mit Sicherheit bestimmen. Sicher war er sich nur, dass der Inquisitor keinen loyaleren Diener haben konnte, denn nur wegen dem Eingreifen des Inquisitors war Aglaja noch am Leben.  

Nach einer weiteren Stunde Marsch entdeckte Enzo am Horizont aufsteigenden Rauch, sie waren am Dorf angekommen. 

Am Eingang des Dorfes angekommen, kam den Reisenden eine Frau mittleren Alters entgegen. Sie trug die Kleidung der Edelleute und musste daher wohl von Adel sein. Sie schien ein freundlicher, zuvorkommender und gütiger Mensch zu sein. Genau die Art von Mensch die der Inquisitor nicht leiden konnte.  

Paternella setzte an zu sagen: „Willkommen in unserem kleinen Dorf, ich bin Gräfin Paternella von Grabfunde…“, 

der Inquisitor unterbrach sie barsch und sagte: „Schweig Weib, ich bin nicht durch die halbe Welt gereist um mir das Gewäsch eines Weibes anzuhören, ich verlange für mich und mein Gefolge ein angemessenes Nachtlager. Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs! Zeig mir den Weg oder verschwinde!“. 

Paternella fehlten die Worte, sie wusste sich nicht anders zu helfen, als auf die Mitte des Dorfes zu verweisen, wo sich das Rathaus befand. Daraufhin rannte sie unter Tränen ins Dorf, eine solche Behandlung war sie nicht gewohnt. 

Der Anblick den das Dorf bot war jedoch alles andere als einladend. Es schien wie ausgestorben und, lediglich noch rauchende Feuerstellen waren auszumachen und ein beißender, fauliger Gestank bestimmte die Luft. Nur aus dem Rathaus schienen Stimmen zu kommen.  

Ohne um Einlass zu bitten betrat der Inquisitor das Rathaus. Darin waren zwei Personen, die sich zu unterhalten schienen, oder vielmehr sah es nach einer Befragung aus. Der Fragensteller war ein großer, rothaariger, hagerer Mann mit Brille. Der Andere war ein glatzköpfiger Mann, der nach Kneipenschläger aussah.  

Der Rothaarige sprach den Inquisitor sofort an und sagte: „Ich bin der Hauptmann der Wache und ein Mann des Herrn ist genau was wir hier brauchen“.  

Er hatte den Inquisitor an seinem Ordensring erkennt.  

Hauptmann: „Ich hoffe ihr könnt uns ein wenig eurer Zeit schenken und mich anhören“ 

Der Inquisitor knurrte:  „Meinetwegen, aber fasst euch kurz“.  

„Wie ihr seht ist unser Dorf sehr abgeschnitten von der Außenwelt, daher war unser Dorf von der Pest lange verschont geblieben. Zumindest hatten wir das als Grund angenommen. Bis vor einiger Zeit, da begann es, immer mehr Dorfbewohner einem vorzeitigen Tod anheim zu fallen, bis nur noch wenige übrig waren. Wir glaubten an eine Strafe des Herrn und hielten uns an die Vorschriften der Kirche die Leichen unverzüglich zu verbrennen und Große Opfer zu bringen. Es schien wie ein Wunder des Himmels, die Erkrankungen gingen zurück und die letzten Überlebenden wurden von der Krankheit verschont. Jedoch wurde heute Morgen der Bürgermeister tot in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Zunächst ging ich von einer neuen Pesterkrankung aus, doch die Symptome entsprachen in keinster Weise dem üblichen Krankheitsbild. Daher hoffe ich auf eine Sachverständigen wie euch, der mir helfen kann das Mysterium aufzuklären.“ 

Verwundert über die Gelassenheit des Hauptmanns sagte der Inquisitor zu und sie betraten das Arbeitszimmer. Was der Inquisitor da sah, hatte er zuvor nie gesehen, das Blut gefror in seinen Adern. Der Inquisitor hatte schon viel Elend und Gewalt gesehen, doch diesmal wurde alles Gesehene übertroffen. Auf seinem Schreibtisch lag die Leiche des Bürgermeisters. Diese war jedoch ausgeweidet wie ein von einem Wolf gerissenes Schaf. Der Inquisitor riskierte einen genaueren Blick, ihm fielen Bissspuren am Hals auf. Der Form nach zu urteilen sahen sie nach einem Wolf aus. Aber sie waren zu Groß um tatsächlich wöflichen Ursprungs zu sein. Auch waren in der Gegend keine Wölfe heimisch. Der Sachverhalt hatte das Interesse des Inquisitors erweckt und er erklärte sich bereit den Hauptmann bei seinen Ermittlungen zu unterstützen.  

Nun Wandte sich der Inquisitor dem „Kneipenschläger“ zu,  dieser gab sich als Leibwächter des Bürgermeisters zu erkennen gab. Er konnte aber nicht weiter helfen, da er nach eigenen Aussagen am Abend zu tief ins Glas gesehen hatte. Der Hauptmann bestätigte, dass der „Schläger“ ein schweres Alkoholproblem habe und kein Zweifel an dieser Aussage bestehe. Als er nachmittags, in Erwartung einer Standpauke, im Haus des Bürgermeisters auftauchte, fand er den Bürgermeister tot vor. Der Inquisitor wusste, dass er nicht mehr aus ihm herausbekommen würde, zumal der Leibwächter aufgrund seines Versagens am Boden zerstört schien. Der Leibwächter durfte gehen. 

Der Inquisitor wollte das Rathaus verlassen um zusammen mit dem Hauptmann weitere Nachforschungen anzustellen, als eine junge, Frau, blond und mit schönem Gesicht das Rathaus betrat. Der Hauptmann stellte sie als Igrid, die Tochter des Bürgermeisters vor. Dafür, dass ihr Vater am selben Tag gestorben war, schien sie sehr gefasst. Der Inquisitor entschied, dass sie befragt werden sollte. Enzo könnte den Inquisitor überzeugen das Verhör zu übernehmen, da im Vergleich zum ihm über das nötige Einfühlungsvermögen für die bevorstehende Befragung verfügte. Der Inquisitor und der Hauptmann verließen daraufhin das Rathaus.  

Enzo: „Nun…“  

Igrid unterbrach ihn sofort: „Ich habe schon die Pestkrankheit meiner Mutter durchstanden und möchte zuerst meinen Vater sehen, dann werde ich alle Fragen beantworten.“ 

Enzo: „Aber…“  

Igrid: „Keine Widerrede, ich halte das aus!“  

Enzo: „Nun gut, folgt mir.“  

Igrid betrat das Arbeitszimmer des Bürgermeisters, kurz darauf kam sie zurück. 

Igrid: „Nun gut, wir können beginne.“.  

Enzo begann die Befragung. Sie erzählte ihm, dass der Bürgermeister sich nach dem Tod ihrer Mutter um sie gekümmert hätte und dass sie sich nicht vorstellen könnte, dass der Bürgermeister irgendwelche Feinde im Dorf hatte, die ihm so etwas antun könnten. Der Bürgermeister wäre allseits beliebt gewesen und alle wären ihm für seine selbstlose Arbeit dankbar gewesen. Während der Befragung überkam beide ein besonderes Gefühl der Zusammengehörigkeit. So erzählte auch Enzo von seiner Ausbildung und wie gerne er ein einfaches, ruhiges Leben führen wollte. Beide empfanden auf Anhieb Zuneigung ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Enzo sah Igrid tief in die Augen, sie erwiderte den intensiven blick und näherte sich ihm langsam zu einem Kuss an. Ihre Lippen berührten sich, doch Igrid schreckte sofort zurück. Ihr Gesicht war plötzlich bleich.  

Enzo: „Was ist?“  

Igrid: „Ich habe die Zukunft gesehen, das mit uns wird kein gutes Ende nehmen. Ich sah ein Bild von unserem Ende, alles Brannte und die Welt schien unterzugehen. Halte mich nicht für verrückt, aber ich hatte genauso eine Vision schon einmal, als meine Mutter starb.“  

Verdutzt schaute Enzo sie an, er konnte kein Wort über seine Lippen bringen, ihm hatte es die Sprache verschlagen.  

Igrid: „Warum sagst du nichts…?“  

Enzo: „Ich…, ich…, du bist nicht die Erste Seherin die ich getroffen habe, mir wurde schon einmal vorhergesagt, damals hatte sich alles Bewahrheitet.“ 

Igrid: „Es, es ist wohl besser wenn ich jetzt gehe.“ Daraufhin rannte sie aus dem Rathaus.  

Draußen überreichte der Inquisitor Enzo einen Schlüssel, er sagte er wolle sich noch mit dem Tod des Bürgermeisters beschäftigen, Enzo solle sich aber zu Bett begeben, denn er brauche ihn früh am Nächsten Morgen im ausgeruhten Zustand. In dem Bett seines Nachtquartiers musste Enzo noch lange an seine Unterhaltung mit Ingrid und ihre Vision denken, bis er schließlich einschlief.  

Charakterübersicht: 

Inquisition: Inquisitor, Enzo, Schüler des Inquisitors, Ordensritter Anno von Thule, Aglaja die Kräuterhexe.

Dorfbewohner: Bürgermeister Seitz, Hauptmann der Wache, Schalk der Dorfdepp, Leibwächter des Bürgermeisters, Igrid die Tochter des Bürgermeisters, die drei Honoratioren (Timur, Ulf, Sengrad), Schläger Endres, Paternella von Grabfunde, Paternellas Schwester, Dorfältester Sebolt, Richter Lienen, Wendel der Dieb.

#36 Theobald Joachim I im Recht: Gründungs- und Sitztheorie

In dieser Reihe schreibe ich über Rechtsgrundsätze und aktuelle Themen die mit Recht zusammenhängen.  

Gründungs- und Sitztheorie

Wir befinden uns im Jahr 2002. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte über eine Vorlage des deutschen Bundesgerichtshofes (BGH) zu entscheiden. Diese Entscheidung sollte das Gefüge der deutschen Unternehmenslandschaft erheblich durcheinanderwirbeln.

Doch was war passiert?

Ausgangslage: Eine in London gegründete und dort ansässige Gesellschaft des Typs „private limited company“ (kurz: Ltd.) hatte ihren Geschäftssitz nach Deutschland verlegt. Ihre geschäftlichen Aktivitäten in Großbritannien gab sie ganz auf.

Das Besondere an diesem Fall ist, dass die Limited mit einem Festkapital von einem Pfund gegrüdet werden kann. Sie hat nach englischem Recht eine eigene Rechtspersönlichkeit und ist keine Personengesellschaft. Das heißt: die Ltd. haftet nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Die Gesellschafter selbst haften daher nicht mit ihrem Privatvermögen. In Deutschland gab es dieses Modell auch, in Form der GmbH. Jedoch beträgt bei ihr das Stammkapital 25.000 €.

Hier wird klar, von Seiten der deutschen Gerichte bestand kein Interesse daran, die Rechtsfähigkeit der Ltd. anzuerkennen. So könnte nämlich das Modell der GmbH ausgehöhlt werden.

1. Der BGH vertrat bei diesem Meinungsstreit die Sitztheorie:

Nach ihr sollte maßgeblich sein, wo eine Gesellschaft tatsächlich ihren Hauptverwaltungssitz hat. Wo hingegen die Gesellschaft gegründet wurde, sollte unerheblich sein. Nach dieser Ansicht wäre deutsches Recht anzuwenden gewesen und die Ltd. hätte nicht anerkannt werden müssen. 

Letztendlich legte der BGH dem EuGH (welcher dem BGH übergeordnet ist) die Sache zur Entscheidung vor. 

2. Die Position des EuGH war die Gründungstheorie: 

Danach unterliegt eine Gesellschaft dem Recht desjenigen Staates, in welchem sie gegründet wurde. Sollte sie ihren Sitz verlegen, wird sich daran nichts ändern. Der EuGH entschied, dass die Sitztheorie des BGH mit der EU-Niederlassungsfreiheit unvereinbar sei (Art. 49, 50 AEUV) und somit als europarechtswidrig zu qualifizieren ist.

(Bild: Großer Saal des EuGH)

Folgen der EuGH Entscheidung

Die Ltd. (und alle anderen Gesellschaftsformen der EU Staaten) wurde(n) als rechtsfähig anerkannt. In Deutschland kam es zu einem regelrechten Ltd-Boom. In Großbritaninen wurden massenhaft Ltds. gegründet, welche dann ihren Sitz nach Deutschland verlegten. 

Dieser Boom ging erst wieder mit dem Inkrafttreten des § 5a GmbHG im Jahr 2008 zurück.

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Uploadplan (Mit allen wichtigen Informationen zu meinem Blog)     

Erster Blogbeitrag

Ich bin Theobald Joachim I,

arbeitsamer und humorvoller Wissensvermittler, Hobby-Rhetoriker, Rechtsstudent und Autor.

Das könnt ihr von mir erwarten:

Folgende, auf Steemit begonnenen Reihen werde ich nach und nach auch hier auf WordPress veröffentlichen und fortführen:

Reihe: Was ist…?   

Beschreibung: In der Reihe „Was  ist…?“ vermittle ich Wissen und Allgemeinbildung in kleinen Portionen  für  zwischendurch.  Hier erkläre ich geschichtliche Dinge wie z.B. den Faschismus, ich erkläre was ein Staat ist, den Begriff Bildungssprache oder ganz alltägliches wie den Türrahmeneffekt.   

Reihe: Rhetorik   

Beschreibung:  In den Reihen „Rhetorik (Teil 1)“ und „Rhetorik (Teil 2)“ vermittle ich in kurzen Einheiten Grundsätze und Tricks der  Rhetorik. Zur Zeit bespreche ich Robert Greenes „Die 48 Gesetze der Macht„.

Reihe: Theobald Joachim I im Recht 

Ich schreibe in Theobald Joachim I im Recht über Rechtsthemen. Dabei erkläre ich Rechtsgrundsätze und Themen die mit Recht zusammenhängen. Steemit dient mir dabei auch als Möglichkeit Themengebiete für die Uni zu widerholen und ich denke ich kann so hochwertigen Inhalt für die deutschsprachige Communitiy produzieren.

Theobald Joachim I 

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